Nachhaltig reisen – Landschaft mit Zug und Natur als Symbol für bewusstes Reisen

Nachhaltig reisen ohne Perfektionsdruck: Die Entscheidungen, die wirklich zählen

Nachhaltig reisen – Landschaft mit Zug und Natur als Symbol für bewusstes Reisen

Eine Reise beginnt lange bevor du den Koffer packst. Sie beginnt mit einer Entscheidung.

Fährst du für ein verlängertes Wochenende ans Meer oder planst du eine Fernreise? Nimmst du den Zug oder das Auto? Bleibst du eine Woche oder gleich drei? Und irgendwann taucht fast automatisch eine weitere Frage auf: Wie nachhaltig ist das eigentlich?

Die Antworten darauf sind selten einfach. Wer im Internet nach nachhaltigem Reisen sucht, findet oft lange Listen mit Tipps: Trinkflasche mitnehmen, Handtücher mehrfach verwenden, regional essen oder Plastik vermeiden. All das kann sinnvoll sein. Gleichzeitig entsteht schnell der Eindruck, jede Maßnahme sei gleich wichtig.

Dabei beginnt nachhaltiges Reisen bei Entscheidungen, die du bereits vor der Buchung triffst. Wie oft reist du? Wie weit? Mit welchem Verkehrsmittel? Und wie lange bleibst du?

Wer diese Fragen bewusst beantwortet, erreicht häufig mehr als mit zwanzig kleinen Einzelmaßnahmen.

Du möchtest zuerst die wichtigsten Punkte? Hier geht es zum 60-Sekunden-Überblick.

Nachhaltigkeit beginnt oft mit unbequemen Fragen

Eine unserer prägendsten Reisen führte uns nach Indonesien.

Die Wochen dort gehören bis heute zu den intensivsten Reiseerfahrungen, die wir gemacht haben. Die Begegnungen mit den Menschen, die Kultur und die Landschaften haben unseren Blick auf das Reisen verändert. Schon bei der Planung wollten wir möglichst verantwortungsvoll unterwegs sein. Wir kompensierten den Flug, übernachteten überwiegend in kleinen Unterkünften und entschieden uns bewusst für lokale Restaurants und Anbieter.

Eigentlich fühlte sich das nach einer guten Entscheidung an.

Doch auf dem Rückflug blieb eine Frage, die uns bis heute begleitet:

Hat die Kompensation den Flug wirklich „in Ordnung“ gemacht? Oder haben wir damit vor allem unser eigenes Gewissen beruhigt? Hätte es diese Reise gebraucht – oder wäre auch ein anderes Ziel eine wertvolle Erfahrung gewesen?

Eine eindeutige Antwort haben wir darauf bis heute nicht gefunden.

Genau deshalb glauben wir, dass nachhaltiges Reisen nicht bei Perfektion beginnt, sondern bei der Bereitschaft, die eigenen Entscheidungen ehrlich zu hinterfragen.

Was bedeutet nachhaltiges Reisen eigentlich?

Nachhaltiges Reisen wird häufig auf den CO₂-Ausstoß reduziert. Das greift jedoch zu kurz.

Eine Reise beeinflusst weit mehr als das Klima. Sie verbraucht Ressourcen, verändert Orte, schafft Einkommen, belastet Infrastruktur und hinterlässt Spuren – manchmal positive, manchmal negative.

Nachhaltiges Reisen bedeutet deshalb, ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen gemeinsam zu betrachten.

Dazu gehören unter anderem:

  • die verursachten Treibhausgasemissionen,
  • der Umgang mit Wasser und Energie,
  • der Schutz von Natur und Tierwelt,
  • faire Arbeitsbedingungen,
  • die Unterstützung lokaler Unternehmen,
  • ein respektvoller Umgang mit Kultur und Bevölkerung.

Klimafreundliches Reisen ist also ein wichtiger Teil nachhaltigen Reisens – aber eben nur ein Teil.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Eine Unterkunft kann beispielsweise energieeffizient arbeiten und trotzdem schlechte Arbeitsbedingungen bieten. Umgekehrt kann ein familiengeführtes Gästehaus die lokale Wirtschaft stärken, obwohl es kein perfektes Umweltmanagement besitzt.

Nachhaltigkeit ist deshalb selten schwarz oder weiß. Meist geht es darum, unterschiedliche Auswirkungen gegeneinander abzuwägen.

Wie groß ist der Einfluss des Tourismus auf das Klima?

Reisen verbindet Menschen, schafft Arbeitsplätze und ermöglicht unvergessliche Erlebnisse. Gleichzeitig verursacht der weltweite Tourismus erhebliche Treibhausgasemissionen.

Eine 2024 veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications berechnete den touristischen Treibhausgas-Fußabdruck für das Jahr 2019 auf rund 5,2 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente. Das entspricht etwa 8,8 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Dabei geht es nicht nur um Flugzeuge oder Autos. Berücksichtigt wurden die gesamte touristische Wertschöpfungskette – also unter anderem Transport, Unterkünfte, Gastronomie, Einkäufe und touristische Dienstleistungen.

Diese Zahl macht deutlich: Tourismus spielt für das Klima eine relevante Rolle.

Wichtig ist dabei auch: 8,8 Prozent der weltweiten Emissionen bedeuten nicht automatisch 8,8 Prozent der bereits verursachten Erderwärmung.

Emissionen und Klimawirkung sind nicht dasselbe. Unterschiedliche Treibhausgase wirken unterschiedlich lange und unterschiedlich stark. Hinzu kommen beispielsweise bei der Luftfahrt weitere Klimaeffekte wie Kondensstreifen und Stickoxide.

Vielleicht bist du auch schon über andere Prozentzahlen gestolpert. Das liegt meist daran, dass verschiedene Studien unterschiedliche Bezugsgrößen betrachten. Manche beziehen sich ausschließlich auf den Verkehr, andere auf den gesamten Tourismus. Deshalb widersprechen sich diese Zahlen nicht zwangsläufig – sie beantworten lediglich unterschiedliche Fragen.

Nicht jede Entscheidung beeinflusst die Klimabilanz einer Reise gleich stark, deshalb lohnt sich der Blick auf die größten Hebel.

Die größten Entscheidungen fallen vor der Buchung

Viele Nachhaltigkeitsratgeber beginnen mit Tipps für unterwegs.

Wir glauben, dass das der falsche Ausgangspunkt ist.

Ob du deine Trinkflasche mitnimmst oder das Hotelhandtuch einen Tag länger nutzt, kann sinnvoll sein. Den größten Einfluss auf deine Reise haben diese Maßnahmen allerdings meist nicht.

Die entscheidenden Weichen stellst du häufig schon Wochen oder Monate vor der Abreise.

1. Wie oft reist du?

Diese Frage wird überraschend selten gestellt.

Dabei macht es einen Unterschied, ob du viermal im Jahr für wenige Tage verreist oder einmal für drei Wochen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass längere Reisen immer nachhaltiger sind. Entscheidend bleiben auch Entfernung und Verkehrsmittel. Dennoch lohnt sich die Überlegung, ob sich mehrere Kurzreisen durch eine längere Reise ersetzen lassen.

Wer länger an einem Ort bleibt, reduziert häufig zusätzliche An- und Abreisen und erlebt sein Reiseziel oft intensiver.

Vielleicht kennst du das selbst: Die ersten Tage vergehen oft damit, anzukommen, sich zu orientieren und den Rhythmus eines Ortes kennenzulernen. Wer etwas länger bleibt, reist häufig entspannter und entdeckt Seiten eines Landes, die bei einer schnellen Weiter- oder Abreise verborgen bleiben.

2. Wie weit liegt dein Reiseziel entfernt?

Auch diese Frage klingt zunächst selbstverständlich.

Natürlich verursacht eine Reise ans andere Ende der Welt meist mehr Emissionen als ein Urlaub im Nachbarland.

Trotzdem lohnt sich hier ein zweiter Blick:

Gibt es ein näher gelegenes Reiseziel, das dir ein ähnliches Reiseerlebnis ermöglichen würde?

Vielleicht möchtest du beeindruckende Berglandschaften erleben. Dafür musst du nicht zwangsläufig um die halbe Welt fliegen. Vielleicht reizt dich eine lebendige Altstadt mit gutem Essen und viel Kultur. Auch dafür gibt es oft mehrere Möglichkeiten.

Diese Überlegung bedeutet keinen Verzicht. Sie erweitert vielmehr den Blick auf Alternativen.

3. Welches Verkehrsmittel passt wirklich zur Reise?

Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert wie die Wahl des Verkehrsmittels.

Dabei gibt es selten eine Antwort, die für jede Reise gleichermaßen gilt.

Eine direkte Bahnverbindung sieht anders aus als mehrere Umstiege mit langen Wartezeiten. Ein voll besetztes Auto unterscheidet sich von einer Fahrt mit nur einer Person. Manche Regionen lassen sich problemlos ohne Mietwagen erkunden, andere kaum.

Dennoch lässt sich eine grundsätzliche Reihenfolge erkennen.

Wo eine Bahnreise eine realistische Alternative ist, verursacht sie häufig deutlich weniger Treibhausgasemissionen als ein Flug. Reisebusse schneiden auf vielen Strecken ebenfalls günstig ab. Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe gehören dagegen zu den klimaschädlichsten Verkehrsmitteln im Tourismus.

Bei Flugreisen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Neben CO₂ entstehen zusätzliche Klimaeffekte, etwa durch Stickoxide und Kondensstreifen. Dadurch fällt ihre gesamte Klimawirkung höher aus als allein anhand der CO₂-Emissionen sichtbar wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Flugreise ausgeschlossen sein muss.

Entscheidend ist vielmehr, sie bewusst als das zu betrachten, was sie ist: eine Reiseentscheidung mit vergleichsweise großer Wirkung.

4. Wie lange bleibst du?

Die Aufenthaltsdauer wird erstaunlich selten diskutiert, dabei verändert sie die Einordnung einer Reise erheblich.

Eine Fernreise für fünf Tage und dieselbe Reise für drei Wochen verursachen zunächst dieselbe Anreise. Wer länger bleibt, verteilt diese Belastung jedoch auf einen längeren Aufenthalt und verzichtet möglicherweise auf weitere Kurzreisen im selben Jahr.

Das macht die Emissionen nicht ungeschehen.

Es kann aber dazu beitragen, dass Reisen insgesamt bewusster geplant werden.

Genau hier setzt auch die Idee des Slow Travel an.

Nicht möglichst viele Länder in kurzer Zeit abhaken, sondern weniger Ortswechsel, mehr Zeit an einem Ort und die Möglichkeit, eine Region wirklich kennenzulernen.

Oft profitieren davon nicht nur Klima und Umwelt, sondern auch die Reise selbst.

Nachhaltigkeit endet nicht bei der Anreise

Ist das Reiseziel erreicht, beginnt der Teil der Reise, den wir unmittelbar beeinflussen können.

Wie bewegst du dich vor Ort? Wo gibst du dein Geld aus? Wie gehst du mit Natur, Kultur und den Menschen um, die dort leben?

Gerade diese Entscheidungen bestimmen, ob eine Reise für eine Region eher Belastung oder Chance ist.

Mobilität vor Ort

Viele Städte und Urlaubsregionen lassen sich problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Oft entstehen dabei sogar die schönsten Reiseerlebnisse.

Wer langsam unterwegs ist, entdeckt mehr.

Das kleine Café in einer Seitenstraße. Der Wochenmarkt, den kein Reisebus anfährt. Das Gespräch mit einem Einheimischen an der Bushaltestelle.

Nicht jede Region macht das möglich. Gerade abgelegene Gebiete sind häufig auf Mietwagen angewiesen. Auch das gehört zu einer ehrlichen Betrachtung nachhaltigen Reisens.

Wichtig ist deshalb nicht, jede Autofahrt zu vermeiden, sondern sie dort einzusetzen, wo sie tatsächlich notwendig ist.

Lokale Wertschöpfung

Ein oft unterschätzter Aspekt nachhaltigen Reisens ist die Frage:

Wer profitiert eigentlich von meinem Urlaub?

Wenn möglichst viele Ausgaben bei internationalen Hotelketten oder großen Buchungsplattformen landen, bleibt häufig nur ein kleiner Teil der Wertschöpfung in der Region.

Übernachtest du dagegen in familiengeführten Unterkünften, buchst lokale Guides oder isst in kleinen Restaurants, unterstützt du direkt Menschen vor Ort.

Natürlich ist das kein Schwarz-Weiß-Thema. Große Hotels schaffen ebenfalls Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Trotzdem lohnt es sich, zumindest einen Teil der Reiseausgaben bewusst regional zu investieren.

Natur schützen, statt sie nur zu besuchen

Viele Menschen reisen wegen beeindruckender Landschaften.

Genau diese Orte gehören jedoch häufig zu den empfindlichsten Lebensräumen überhaupt.

Ob Dünen, Korallenriffe, Nationalparks oder alpine Wanderwege – kleine Entscheidungen vieler Besucher summieren sich schnell.

Deshalb gilt oft:

  • auf markierten Wegen bleiben,
  • Wildtiere nicht füttern,
  • genügend Abstand halten,
  • keinen Müll hinterlassen – natürlich keine Zigarettenkippen, aber auch kein benutztes Taschentuch, egal, für welche Zwecke es verwendet wurde. Am besten nimmt man hierfür eine Tüte mit, die ohnehin weggeschmissen werden würde, oder ein extra für solche Fälle genutztes Gefäß, das man desinfizieren kann,
  • lokale Regeln respektieren.

Diese Hinweise wirken selbstverständlich.

In stark besuchten Regionen machen sie jedoch einen erheblichen Unterschied.

Overtourism – wenn zu viele dasselbe Ziel haben

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, wie wir reisen.

Sie betrifft auch, wo und wann wir reisen.

Manche Orte leiden inzwischen unter einer Besucherzahl, für die sie ursprünglich nie ausgelegt waren. Überfüllte Innenstädte, steigende Mieten, überlastete Infrastruktur oder beschädigte Naturräume sind bekannte Folgen des sogenannten Overtourism.

Nicht jede bekannte Sehenswürdigkeit sollte deshalb gemieden werden.

Oft hilft bereits eine andere Reisezeit, ein längerer Aufenthalt oder der Besuch weniger bekannter Regionen derselben Gegend.

Das macht die Reise häufig sogar angenehmer.

Denn wer ständig mit Menschenmassen beschäftigt ist, erlebt vom eigentlichen Reiseziel meist erstaunlich wenig.

Welche Rolle spielt das Reisegepäck?

Bei Ben Nevis beschäftigen wir uns täglich mit Reisegepäck.

Gerade deshalb finden wir eine ehrliche Einordnung wichtig.

Eine neue Reisetasche macht eine Reise nicht nachhaltig.

Die größten Klimahebel liegen fast immer bei Entfernung, Verkehrsmittel, Reisehäufigkeit und Aufenthaltsdauer.

Trotzdem spielt Ausrüstung eine Rolle – allerdings an einer anderen Stelle.

Wer vorhandenes Gepäck lange nutzt, vermeidet unnötige Neuanschaffungen. Muss tatsächlich eine neue Tasche gekauft werden, lohnt sich ein Blick auf ihre Lebensdauer.

  • Kann sie verschiedene Reisearten abdecken?
  • Eignet sie sich für Bahnreisen ebenso wie für Flugreisen oder Wochenendtouren?
  • Lässt sie sich möglichst lange nutzen?

Eine vielseitige Tasche ersetzt oft mehrere Speziallösungen. Genau darin liegt ihr Nachhaltigkeitsbeitrag: nicht in einem einzelnen Material oder Werbeversprechen, sondern darin, dass sie viele Jahre zuverlässig genutzt wird. Wie du deine Tasche langlebig hältst, zeigen unsere Pflegetipps.

Auch beim Packen gilt ein ähnlicher Gedanke.

Nicht möglichst minimalistisch um jeden Preis, sondern passend.

Wer nur das mitnimmt, was tatsächlich benötigt wird, reist häufig entspannter, organisiert sich einfacher und nutzt öffentliche Verkehrsmittel oft unkomplizierter.

Das allein rettet zwar nicht das Klima; es unterstützt jedoch einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Konsum.

Was kann CO₂-Kompensation leisten?

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Kompensation von Flugreisen.

Die einen halten sie für unverzichtbar.

Die anderen für reines Greenwashing.

Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.

Eine Kompensation verhindert die Emissionen eines Fluges nicht. Sie entstehen in jedem Fall.

Das Geld soll stattdessen Klimaschutzprojekte finanzieren, die an anderer Stelle Emissionen vermeiden oder Treibhausgase binden.

Deshalb sollte Kompensation niemals der erste Schritt sein.

Eine sinnvolle Reihenfolge lautet:

  1. Kann ich die Reise oder einen Teil davon vermeiden?
  2. Kann ich Emissionen reduzieren?
  3. Kann ich unvermeidbare Emissionen ergänzend kompensieren?

Diese Reihenfolge verhindert auch, dass Kompensation als Freifahrtschein verstanden wird.

Sie bleibt eine Ergänzung – nicht die Lösung.

Die wichtigsten Entscheidungen auf einen Blick

Wenn du deine nächste Reise nachhaltiger gestalten möchtest, musst du nicht zwanzig Tipps gleichzeitig umsetzen.

Beginne stattdessen mit diesen acht Fragen:

  • Muss das Reiseziel so weit entfernt sein?
  • Gibt es eine sinnvolle Bahn- oder Busverbindung?
  • Könnte ich länger bleiben und dafür seltener reisen?
  • Wie bewege ich mich vor Ort?
  • Unterstützt meine Unterkunft nachvollziehbare Umwelt- und Sozialstandards?
  • Kann ich lokale Unternehmen gezielt einbeziehen?
  • Besitze ich bereits passende Ausrüstung?
  • Welche Auswirkungen lassen sich tatsächlich vermeiden – und welche nicht?

Alle anderen Entscheidungen bauen darauf auf.

FAQ zum nachhaltigen Reisen

Ist nachhaltiges Reisen automatisch teurer?

Nein. Kürzere Anreisen, längere Aufenthalte, Reisen außerhalb der Hauptsaison oder die Nutzung vorhandener Ausrüstung können sogar Kosten sparen. Gleichzeitig können einzelne Bahnverbindungen oder glaubwürdig nachhaltige Unterkünfte teurer sein. Entscheidend ist immer die konkrete Reise.

Kann eine Fernreise nachhaltig sein?

Eine Fernreise verursacht aufgrund der großen Entfernung meist erhebliche Emissionen – besonders bei einer Flugreise. Sie wird dadurch nicht folgenlos. Wer seltener fliegt, länger bleibt und vor Ort bewusst reist, kann ihre Auswirkungen jedoch reduzieren.

Ist Bahnfahren immer nachhaltiger als Fliegen?

Auf vielen Strecken verursacht die Bahn deutlich weniger Treibhausgasemissionen. Der konkrete Vergleich hängt jedoch unter anderem von Strecke, Energieversorgung und Auslastung ab. Deshalb lohnt sich immer der Blick auf die jeweilige Reisesituation.

Macht CO₂-Kompensation einen Flug klimaneutral?

Nein. Die Emissionen entstehen trotzdem. Kompensation kann hochwertige Klimaschutzprojekte unterstützen, ersetzt aber nicht die Vermeidung oder Reduktion von Emissionen.

Wie groß ist der Einfluss des Tourismus auf das Klima?

Nach einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung verursachte der weltweite Tourismus für das Jahr 2019 rund 8,8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Darin enthalten sind nicht nur Verkehr, sondern auch Unterkünfte, Gastronomie und weitere touristische Dienstleistungen.

Bewusst reisen statt perfekt sein

Wenn wir heute an unsere Indonesienreise zurückdenken, würden wir vieles wieder genauso machen und manches würden wir vermutlich anders entscheiden.

Wenn wir heute reisen, dann fragen wir uns: Passt eine längere Bahnfahrt in unsere verfügbare Zeit? Können wir länger bleiben? In einer kleinere Unterkunft? Vielleicht stellen wir fest, dass eine Fernreise trotzdem die richtige Entscheidung ist – und überlegen dafür an anderer Stelle, wie wir ihre Auswirkungen reduzieren können. Perfekt ist das nicht, aber wir hoffen, mit bewussteren Entscheidungen auch bessere Entscheidungen für Mensch und Umwelt zu treffen.

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